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Hier ein kleiner Auszug aus meinen literarischen Werken (Sprecher gesucht! Wenn Sie Lust haben, eine Rolle zu sprechen, rühren Sie sich bitte bei mir!):


Personen
Er
Anonymer Anrufer
Kumpel
TelefonFachfrau
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1. Klinkel
„Ja.“
„Ist hier Michel!“
„Am Apparat!“
„Fahren Sie morgen nicht mit der Straßenbahnlinie 7 um 8 Uhr 10 zur Arbeit.“
„Was, was? Hallo, hallo!“
Klick.
Merkwürdiger Anruf. Was bildet der sich ein? Ach was, ein Spinner. Laß Dich nicht aus der Ruhe bringen. Zeitungsgeraschel. Der Anruf von vorhin geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Heimbleiben!? Ich muß doch zur Arbeit. Hm. Aber naja, theoretisch kann ich natürlich auch mal mit dem Auto fahren. Hm. Mach ich mal, man weiß ja nie.
Weckerklinkeln. Kaffeetrink-Geräusch.
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2. Ah, war das gestern mit dem Auto für ein Stress gewesen. Nerviger Stau. Mach ich nicht mehr so schnell.
„Gestern geschah ein schwerer Unfall mit der Straßenbahnlinie 7 um 8 Uhr 15. Einige tödliche Unfälle, viele Schwerverletzte.“
Boah, da kann ich ja weiß Gott von Glück reden, an diesem Tag mit dem Auto gefahren zu sein. Hm. Und der Anrufer! Wußte er von dem Unfall? Ach Quatsch, niemand kann in die Zukunft schauen, hm. Bloß Zufall!
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3. Klinkel.
„Ja!“
„Michel!“
Unterbricht: „Sie wieder, wie vor einer Woche. (Lacht.) Das war doch wohl Zufall, daß Sie mich gewarnt haben, was? Letzthin. Oder wollen Sie mich heute wieder warnen?“
„Fahren Sie morgen nicht mit der Linie 7 und nicht mit dem Auto in Ihre Arbeit.“
Klick.
„Was, warum? Hallo! Hallo!“ Was, spinnt der? Aber naja, sicher ist sicher. Ich werde mich vorsichtshalber morgen abmelden, kann nicht schaden. Ich habe eh schon zu viele Überstunden. Die könnte ich mal abfeiern. Ja... Sicher ist sicher.
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4. Zeitungsgeraschel
Was, das gibt es doch nicht! „Auto rast in Linie 7 und rammt andere Fahrzeuge, als es aus dem Gleis gesprungen ist.“ Auwei, das klingt sehr gefährlich. Mensch, das geht doch nicht mit rechten Dingen zu hier. Das ist doch ein bißchen zu viel Zufall im Spiel, scheint mir. Was soll man davon halten, hee? Ob der wieder anruft? Bis jetzt könnten es durchaus Zufälle gewesen sein, zwei Ereignisse, die sich so ergeben haben. Ja, aber jetzt ein drittes Ereignis, bestimmt nicht mehr!
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5. Anderes Klinkelzeichen.
„Oh, mein Smartphone. Wer kann das sein? Ja!“
„Gehen Sie morgen nicht in ihre Arbeit!“
„Was, ich soll nicht mit der Straßenbahn u n d nicht mit dem Auto fahren?“
„Ja, auch nicht zu Fuß. Überhaupt nicht sollen sie morgen zur Arbeit gehen.“
„Was, wie stellen Sie sich das vor? Wovon soll ich leben?“
Klick.
Jetzt wird es nachgerade schwierig. Einmal nicht gearbeitet, ist ja recht und gut. Aber ein zweites Mal, da wird es schon schwieriger, da muß ich mir etwas einfallen lassen, etwas sehr gutes, verflixt.
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6. Türklinkeln.
Philipp Kern: „Mensch Michel, heute war eine Explosion in der Fabrik.“
„Was? Was, bist Du es Philipp Kern!“
Philipp Kern: „Ja, dort, wo wir immer arbeiten, hat es eine Explosion gegeben heute. Zwei Tode, etliche Verletzte, ich kann Dir sagen, ich kann von Glück reden, nicht auch dort gewesen zu sein.“
Leiser zu sich: „Hatte der Anrufer doch recht.“
„Was, was sagst Du?“
„Ist Dir zum Glück nichts passiert, das ist gut.“
Philipp Kern: „Ja, ich wurde gerade vom Konstruktionschef in sein Büro gerufen, als es passiert ist. Es hat einen Schlag getan, ich habe gedacht, mich haut es vom Stuhl, so laut war der. Und so verheerend. Bleib ein paar Tage zuhause, in der Arbeit ist jetzt die Hölle los. Die Polizei, die Genossenschaft, die Gewerkschaft... undsoweiter. Du kannst es Dir vorstellen!“
„Nur zu gut, danke Kumpel, danke.“
Klick. Jetzt ist aber der Teufel ausgebrochen. Das sind keine Zufälle mehr. Das geht nicht mit rechten Dingen zu, wenn ich mich nicht irre. Mensch! Was soll ich machen?
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7. SmartPhoneKlinkel.
„Michel!“
„Gehen Sie nicht...“
„Stopp. Warnen Sie Philipp Kern, damit er morgen nicht in die Arbeit geht. Hier ist die Telefonnummer! 09178898989.“
„Aber, aber.“
„Haben Sie die Nummer. Ja. Geben Sie die Nachricht weiter!“
Klick.
„So, den habe ich es aber gegeben! Ich wundere mich ganz über mich selbst. Ich habe das nicht geplant. Hm.“
Zeitungsgeraschel Was lese ich heute? Ein Kollege aus meiner Arbeit ist tödlich verunglückt! Das kann nur Philipp Kern gewesen sein, Mensch. Konnte mein Anrufer ihn nicht überzeugen, nicht in die Arbeit zu gehen?
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8. SmartPhoneKlinkel.
„Michel!“
„Gehen Sie...“
„Ich muß sagen, ich bin höchst unzufrieden mit Ihnen. Warum haben sie Philipp Kern nicht gewarnt?“
„Habe ich, aber er ließ sich nicht überzeugen, überreden, schlug meine Warnung in den Wind...“
„Ha, sehr schwach, sehr fahrlässig, unverzeihlich. Das nächste Mal geben Sie sich mehr Mühe, ja!“
„Ähm, ja ich versuch's.“
„Ich versuch's, ich versuch's. Was ist das für eine Antwort? Darin steckt bereits die Kapitulation. Aber Sie müssen sich durchsetzen, verdammt! Ja?“
Kleinlaut. „Ja schon!“
„Nun, meine nächste Instruktion lautet...“
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9. Es ist geschehen, wie ich es gewünscht habe. Es ist nämlich kein Unfall passiert. Heute lese ich wenigstens nichts in der Zeitung. Aber was soll ich nur tun? Mir fällt niemand mehr ein, den ich warnen könnte. Außerdem, ewig kann ich schließlich dieses Spiel nicht fortsetzen, einmal fällt mir niemand mehr ein, oder besser mir geht die Puste aus und ich fühle mich schon jetzt erschöpft. Es ist mir richtig schwergefallen, ihn zu befehligen, wie es mir überhaupt nicht mein Charakter entspricht, anderen meinen Willena aufzudrängen. Ich bin doch eher ein introvertierter Typ. Ich wünschte mir, er würde nicht mehr anrufen! Doch wird er es natürlich tun. Aber ich weiß, ich weiß doch keinen mehr, den ich warnen lassen sollte. Und wenn ich die Kraft nicht aufbringe, mich nicht durchsetze - daß nächste Mal wird er wieder die Oberhand gewinnen. Dann werde ich wieder in Verwicklungen verstrickt werden, wieder wird jemand gefährdet sein und wenn ich es einfach nicht mehr schaffe, dieses abzuhalten, dann... Ich kann, kann einfach nicht mehr. Was nun? Hmm.
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10. Klinkel.
„Michel!“
Telefonistin: „Ja, was kann ich für Sie tun?“
„Bitte schalten Sie meinen Anschluß sofort ab.“
Telefonistin: „Sie meinen Ihren Telefonanschluß!“
„Genau! Aber sofort!“
Telefonistin: „Wie Sie wünschen. Wird gemacht. In drei Stunden wird diese Leitung tot sein.“
„Danke Ihnen!“
Telefonistin: „Gerne geschehen!“
Klick.
Manchmal ist die Lösung so einfach!
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10. Türklingel. Türöffnen.
„Philipp, Philipp Kern. Du, Du da... Du lebst? Aber, aber...“
(Stotternd) Philipp lachend: „Ja, was glaubst Du? Daß Du lebst, fragen sich viele und ist verwunderlicher als bei mir.“
„Aber komm schon rein!“
Türzugehen. Kaffeeschlürf-Geräusche.
Philipp: „Wo warst Du die letzte Woche? Wir in der Arbeit haben uns schon Sorgen gemacht, was los ist mit Dir? Der Personalchef hat uns gesagt, daß Dich abgemeldet hast, aber bislang ist das in 30 Jahren nicht geschehen. Das ist so untypisch für Dich. Und deshalb haben wir uns gefragt, was ist los mit Dir?“
„Ja, ich verstehe. Das ist nur zu verständlich... Aber hast Du nicht einen Anruf bekommen?“
„Von wem?“
„Ich meine nicht mich.“
„Nein, ich habe von niemanden einen Anruf bekommen.“
„Auch nicht, als die Fabrik gebrannt hat?“
„Na, Du weißt doch noch, wie ich's erzählt habe. Ich bin zufällig zum Konstruktionsingenieur gerufen worden.“
„Ja, ich kann mich noch gut erinnern.“
Ich werfe einen Blick auf mein Telefon, daß auf in er Ecke steht, Notizblock und Telefonbücher daneben. Dann fällt mein Blick auf die Zeitung, die darunter liegt auf dem Polster des Stuhls. Zuletzt fällt mein Blick auf das Smartphone vor meiner Nase...
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C. Schluß



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