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Hier ein kleiner Auszug aus meinen literarischen Werken (Sprecherin und Sprecher/Kl. Prinz gesucht!):

Maßlos

 

Der kleine Prinz.

„Hallo, große Frau.“

„Oh, schönen guten Tag, kleiner Junge. Schickt Dich vielleicht der Himmel, bist Du ein Engel, ein Bote, der mir aus meiner Misere und Not helfen wird? Davon abgesehen, weiß ich gar nicht genau, ob ich Frau, Mann oder bejdes...“

„Sag mal, was ist denn los mit Dir? Warum redest Du solch unverständliche Sachen? Stimmt etwas nicht mit Dir? Bist Du vielleicht hingefallen? Oder hat Dich eine Spinne gestochen, gar ein Schlange, oder hat Dir ein Böser etwas zuleide getan?“

„Nichts von all dem, kleiner Junge. Das wäre alles halb so schlimm.

„Aber Du suchst doch etwas hier. Dann hast Du also etwas verloren, es klang fast so.“

„Ja, ich habe mein Metermaß verloren. Ich muss es unbedingt wiederfinden.. Denn zu mir kommen Menschen, die sagen: messe mir den Meter zu.“

„Gut. Auch ich brauche einen Rat wie jeder Mensch. Was würdest Du mir raten?“

„Du bist wie groß?“

„Wie groß würdest Du mich schätzen?“

„180!“

„Nicht schlecht, große Frau. Ich bin 174 m.“

„Dachte ich mir, Mittelgröße. Dann brauchst Du nur Mal einen Schritt zu machen, dann findest Du Dein Maß.“

Er macht es.

„...und siehst Du: das ist ein Meter.“

„Hm. Wer aber sagt mir, dass der Meter desjenigen richtig war, der gesagt hat, dass ich 1.74 Meter groß sei! Weil ich kann ja nicht über mich selbst gehen. Und meinen Schatten kann ich auch nicht abschreiten, lach. Der rennt mir immer davon.“

„Das stimmt. Nur, wenn ich mein Metermaß gefunden hätte, könnte ich dieses an Dich legen und genau sagen, wie groß Du bist. Das würde Dir dann weiterhelfen.“

„Hm. Ich weiß nicht. Vielleicht liegt es gar nicht an diesem Metermaß? Vielleicht liegt es an etwas andrem? Es liegt doch daran, dass Du nichts akzeptierst, alles hinterfragst und bezweifelst, so kommst Du niemals voran. Einiges musst Du schon als wahr akzeptieren. Daherum kommst Du nicht!“

„Einiges. So viel. Genügt nicht auch Etwas. Etwas musst Du schon als wahr akzeptieren. Etwas ist weniger als Einiges.“

Der kleine Prinz seufzt.

„Nun gut. Etwas. Aber auf jeden Fall „Etwas!“

„Ja. Ich versuche es.“

„Dann ist gut!“

Der kleine Prinz räuspert sich.

„Was bist Du eigentlich von Beruf?“

„Ich bin Diplomat!“

„Aha, Diplomat. Was ist das für ein Beruf? Diese Berufsbezeichnung habe ich noch nicht gehört.“

„Hm. Das ist ein Abgesandter seines Landes für ein anderes Land.“

„Land. Was ist das Land? Bisher kenne ich nur Planeten.“

Nun, wenn du einen Planeten anschaust, siehst Du eine Kugel, nicht wahr!“

„Ja!“

„Nun, stellt Dir vor, in der Mitte der Kugel ist ein Strich gezogen und dann hast du zwei Hälften des Planeten. Jeder dieser Hälften nennt man dann Land. So hast Du zwei Länder auf einem Planeten. Aber ich sage Dir, Länder auf einem Planeten gibt es aber viel mehr als zwei. Hunderte davon.“

„Hm. Warum macht man das? Wozu soll das gut sein? Was soll das überhaupt?“

„Was das soll? Ganz einfach. Da werden Regeln aufgestellt: keiner darf ohne die Erlaubnis der einen Seite des Planeten die andere Seite betreten.“

„Hm. Aber was hat es dabei mit dem Diplomaten auf sich?“

„Nur Diplomaten ist es erlaubt, den jeweils anderen Teil des Planeten zu betreten.“

„Aha.“

Strenger Tonfall: „Und das nur unter strengsten Auflagen, als da sind: Einschränkung der Bewegungsfreiheit oder er darf nur das sagen, was dort allgemein als Wahrheit anerkannt ist oder wenn er etwas anderes als die Wahrheit verkündet, darf er das nur, wenn er dazu von der anderen Seite, die auf diesem Land lebt, dazu aufgefordert wird. Regelverstöße stehen unter strengster Strafandrohung.“

„Der Diplomat ist der einzige Mensch, der sowohl auf die eine als auch andere Hälfte der Erd- oder Planetenkugel sich bewegen darf.“

„Oja, Die anderen dürfen das nicht.“

„Nein. Sie müssen sich entweder für dort oder hier entscheiden...“

Der Diplomat lacht.

„Haha, so einfach ist es nicht. Aber ungefähr schon so. Nun gut, sie müssen sich für die eine oder andere Seite der Kugel entscheiden, sich festsetzen und dort niederlassen.“

„Für immer?“

„Solange sie leben, ja!“

„Oh, diese Armen.“

„Ja, je nach dem, wie man’s sieht!“

Kleiner Prinz. „Da ich gerne reise, möchte ich auch Diplomat werden. Wie wird man das?“

„Moment, nicht so schnell, kleiner Prinz. Schau mich erst einmal an! Willst Du wirklich werden, wie ich?“

„Eigentlich nicht!“

„Du hast ja auch gesagt, dass ich Dir Leid täte.“

„Ja!“

„Es sieht so gut aus, wenn man überall herumziehen kann. Aber da weiß man nicht, wohin man gehört.“

„Ist das wichtig?“

„Überleg mal, wie es wäre, wenn Du keine Eltern mehr hättest?“

„Schrecklich. Da wüsste ich nicht mehr weiter.“

„Siehst Du. So geht es auch mir.

„Allmählich beginne ich zu verstehen.“

„Das freut mich! Das freut mich für Dich. Ich verstehe jedenfalls nichts mehr. Das ist mein Problem. Deswegen sage ich auch, mein Metermaß ist verloren gegangen und nun such ich Zeichen im Sand, die mir den Weg weisen sollen.“

„Aha, deswegen Dein blindes Zeichen auf dem Boden.“

„Aber ich muss wieder weg. Entschuldige mich.“

„Aber gerne doch...“

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